Verehrte Leserinnen und Leser,
in ihrer aktuellen Ausgabe veröffentlicht die Juice eine von 100 ausgewählten Szene-Insidern erstellte Liste der 20 besten deutschsprachigen MCs. Auch ich habe abgestimmt und möchte Ihnen an dieser Stelle meine Top 10 präsentieren.
1. Olli Banjo:
Olli Banjo vereint all jene Eigenschaften, die ich persönlich von einem guten MC erwarte. Mit unglaublicher technischer Präzision weiß der Wahlkölner sowohl mit humorvollen Geschichten (siehe “Urlaub” oder “Hong Kong”), als auch mit ernsthaften Tönen (siehe “Deutschland” oder “Tagesschau”) zu überzeugen, wobei die Grenzen dieser beiden Aspekte fließend sind (siehe “Aids”). Zu klassischen Alben wie “Erste Hilfe” oder “Schizogenie” gesellt sich die legendäre “Sparring”-Reihe sowie ein makelloser Ruf als Live-Act. Deutschlands einziger kompletter MC!
2. Kool Savas:
Raptechnisch spielt Kool Savas schon längst in einer ganz anderen Liga als seine Konkurrenz. Alleine die Tatsache, dass sich der Berliner über weite Strecken seiner Diskographie des Rap-Rap schuldig macht verwehrt ihm höhere Weihen in meiner persönlichen Bestenliste. Alben wie “Der beste Tag meines Lebens” und “Tot oder lebendig” zählen zum Pflichtprogramm für den technisch interessierten HipHop-Kopf!
3. sido:
Nährte sich der Reiz der Kunstfigur sido anfangs ausschließlich aus einem brillanten Marketing-Coup, emanzipierte sich der sido spätestens mit seinem zweiten Album “Ich” von der “Maske”, wobei er raptechnisch den ein oder anderen Schritt nach vorne machte. Gleichwenn der Berliner die Qualität seines persönlichen Meisterwerks “Ich” bis dato nicht mehr erreichen konnte, ist er mittlerweile im Bürgertum angekommen und bleibt auch ohne Maske eine der wirtschaftlich relevantesten und faszinierendsten Erscheinungen im nationalen Rapspiel.
4. Marteria/Marsimoto:
Regional übergreifende Beachtung erlangte Marteria erstmals durch sein Alter Ego Marsimoto und das Album “Halloziehnation”. Diente der Erstling vor allem der Verherrlichung des Marihuana-Konsums, sprengten die beiden Nachfolger inhaltliche Fesseln und transportierten den unglaublichen Wortwitz des ehemaligen Modells in neue Sphären (siehe “Ausgesetzt”). Seine legendäre “Todesliste” dürfte angesichts der unglaublichen Strahlkraft und Präsenz des MCs noch heute den Angstschweiß auf die Stirn der Konkurrenz treiben. Hier wird Großes geschehen!
5. Samy Deluxe:
In der Vergangenheit hat Samy Deluxe des Öfteren eindrucksvoll bewiesen, dass er technisch einer der besten MCs unseres Landes ist. Bereits mit seinem ersten Lebenszeichen auf “Pures Gift” gewann der Hamburger die Sympathien einer ganzen Deutschrap-Generation, die er jedoch mit seinem bis dato letzten Lebenszeichen “Dis wo ich herkomm” reichlich strapazierte. Dennoch braucht sich Herr Deluxe nach wie vor vor niemandem zu verstecken.
6. Morlockk Dilemma:
Mit unglaublichen Stakkatoflows kredenzt Leipzigs Feinster Morlockk Dilemma bitterböse Punchlines mit Herz und Verstand. Trotz all dieser vielversprechenden Zutaten spaltet Dilemma die Nation aufgrund seines ungewöhnlichen Sprachorgans wie kaum ein Anderer in Befürworter und Kritiker. Alleine dadurch wird er vermutlich relevanter für das hiesige Spiel als jeder x-beliebige Klon Ihres favorisierten Straßenrappers (oder Ihr favorisierter Straßenrapper). Klassische Alben wie “Index Finest” und “Omnipotenz in D-Moll” zementieren einen hervorragenden sechsten Platz in meiner Favoritenliste!
7. Maeckes:
Als Anhänger seit den früheren Werken (”Der bessere Mateja Kezman Tonträger”) bin ich entzückt zu sehen, wie prächtig sich der Stuttgarter mittlerweile entwickelt hat. Als Mitglied der Orsons und von Maeckes & Plan B ist der sympathische Künstler aus dem Hause Chimperator nicht mehr aus der deutschsprachigen HipHop-Szene wegzudenken. Dabei weiß Maeckes entgegen der vorherrschenden öffentlichen Meinung nicht nur durch grandiosen Humor, sondern auch durch Tiefgang zu überzeugen. Nachzuhören unter anderem auf “Kunst über Vernunft”.
8. Dendemann:
Sicherlich bleibt Eins, Zwo aufgrund von Klassikern wie “Ich so, er so”, “Danke, gut” und “Hand auf’s Herz” bis heute unvergessen. Den Künstler Dendemann jedoch alleine auf diese wahrlich grandiose Schaffensphase zu reduzieren wäre jedoch ein Fehler – entsprangen doch dem Spätwerk des Künstlers so unglaubliche Nummern wie “Gangsterbraut” oder “Beste wo gibt”. Mit unverkennbarer Reibeisenstimme ist Dendemann DER Vorreiter des originellen Wortspiels in der deutschsprachigen Rapmusik.
9. Eko Fresh:
Wenn man von einer Vielzahl unglücklicher Karrierebewegungen eines jungen Ekrem Bora absieht, so kommt man nicht umhin, dem Mönchengladbacher großes Talent im Umgang mit der deutschen Sprache zu attestieren. Gleichwenn frühe Großtaten wie “Jetzt kommen wir auf die Sachen” oder “König von Deutschland” an der Seite seines Mentors Kool Savas für lange Zeit in unerreichbare Ferne gerückt schienen, kehrte Eko Fresh in jüngster Vergangenheit wieder zu seinen Wurzeln zurück und lässt auf seinen ersten Klassiker auf Albumlänge hoffen.
10. Curse:
Mit “Feuerwasser” gelang Curse anno 2000 ein zeitloser Klassiker mit Szenehits wie “10 Rap Gesetze”, “Wahre Liebe” und “Hassliebe”, dank derer unglaublicher Halbwertszeit er trotz Kollaborationen mit Silbermond und Westernhagen auch heute noch in die Gebete jedes ernstzunehmenden Rucksackträgers eingeschlossen werden dürfte. Definitiv einer der besten Geschichtenerzähler unseres Landes!



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