Archiv der ‘Abgehandelt’ Kategorie

Abgehandelt: Mopz Wanted – Begleiterscheinungen

Auf seinem mittlerweile dritten Tonträger “Begleiterscheinungen” präsentiert Ihnen Kölns Mopz Wanted einmal mehr klischeefreien HipHop traditioneller Machart. Scheinbar unbeeindruckt von dem Umstand, dass mittlerweile 66 Prozent der durchschnittlichen HipHop-Hörerschaft durch Themen, deren Komplexität sich über die verbale Umschreibung der alltäglichen Straßenschubserei erstreckt, überfordert scheint, reimt sich Mopz Wanted auf 14 gehaltvollen Eigenproduktionen souverän durch Themen wie Heimat, Freundschaft, Beziehung oder die eigene Verwundbarkeit. Begleitend erscheinen dabei begabte Wortakrobaten wie Sinuhe, Rohdiamanten, Tatwaffe, Def Benski, Franksta, Daez, Mirko Polo, Pitza und Plus, die sich auf insgesamt drei Titel verteilen und diese mit individuellen Perspektiven fernab der gängigen 16-Zeilen-Gastbeitrags-Rhetorik bereichern. Auf den übrigen Anspielstationen überzeugt der Protagonist im Alleingang durch überzeugenden Sprachfluss und hochwertige Lyrik, so dass ich Ihnen den Erwerb von “Begleiterscheinungen” uneingeschränkt empfehlen darf.

Abgehandelt: Nate57 – Stress aufm Kiez

Es ist nicht zu verkennen, dass “Santa Pauli Patriot” Nate57 dieser Tage einen umfassenden Hype genießt, der ihn gar bis auf Platz 37 der deutschen Album-Charts trug. Gleichwenn der dem Hype zugehörige Tonträger “Stress aufm Kiez” durchaus Substanz in Form von ansprechendem Sprachfluss und nachvollziehbaren Geschichten aufweist, bleibt Nate57s Debüt im Albumformat in der Gesamtschau doch leicht hinter den Erwartungen zurück. Dies liegt zu einem signifikaten Anteil in den flachen Produktionen begründet, die sich aus künstlerischer Sicht nicht auf Augenhöhe mit dem reimenden Protagonisten bewegen. Dennoch bleibt “Stress aufm Kiez” dank tafelfertigen Hits wie “Waffenfreiezone”, “S.A.K.” und “Im Kreis” eine Wohltat für das stagnierende Straßenrap-Genre und avanciert somit nach “Wolkenloch” zu Hamburgs nächstem Ghetto-N24-Juvel!

Abgehandelt: Antihelden – Kein Happy End!

Musikalisch zutiefst verwurzelt in der Ästhetik klassischer US-amerikanischer Produktionen der späten Neunziger, präsentieren Ihnen die beiden Antihelden Abroo und Dra-Q nach dem Aufwärm-Mixtape “Kampf der Veteranen” nun mit “Kein Happy End!” ihren kollaborativen Einstand im Albumformat. Auf kompromisslos blasenden Brettern von Beatbauern wie Snowgoons, Mortis One, Sicknature, MecsTreem und Sneezy servieren Ihnen die beiden Protagonisten auf wechselseitiger Augenhöhe ehrlich anmutende Lyrik zwischen genretypischen Repräsentanten und kritischer Gesellschaftsbeobachtung. Verbal unterstützt durch ausgewiesene Sprachvirtuosen wie Kamp, Morlockk Dilemma, Sabac Red, Mortis One und Conny Walker ist “Kein Happy End!” abseits von ein oder zwei fehlplatzierten Gesangs-Kehrversen handwerklich über jegliche Kritik erhaben und lässt die Herzen der HipHop-Köpfe mit Geschichtsbewusstsein höher schlagen. Sicherer Schuss!

Abgehandelt: Herr von Grau – Revue

Dem anspruchsvollen HipHop-Spezialisten bekannt durch einen eigenständigen Klangentwurf zwischen elektronischen und gitarrophilen Einflüssen, schicken sich Herr von Grau mit ihrem mittlerweile dritten Album “Revue” an, die ihnen wohl gesonnene Hörerschaft systematisch zu erweitern. Hierfür verlassen sich die beiden atypischen Vertreter HipHops Berliner Machart auf altbewährte inhaltliche Stärken, die zweifelsfrei in den Bereichen des erfrischenden Geschichtenerzählens, der subtilen Denkanstöße und liebenswerter Repräsentanten anzusiedeln sind. Besagte Inhalte treffen auf teils beschwingt selige (siehe “Egoflash”), zumeist jedoch angenehm zurückhaltende (siehe “Risiko”) grausche Eigenproduktionen, die den Vergleich mit vergleichbaren Veröffentlichungen nicht zu scheuen brauchen. Freundinnen und Freunde des ausgiebigen Zuhörens dürften mit dem Erwerb von “Revue” jedenfalls keinen Fehler begehen.

Abgehandelt: Blumentopf – Wir

Nachdem die topfsche “Musikmaschine” anno 2006 in meinem Ansehen schwer strauchelte, melden sich die Münchner Musik-Nerds rechtzeitig zu ihren viel beachteten “WM Raportagen” mit ihrem sechsten gemeinsamen Tonträger im Albumformat zurück. Befeuert durch ein offenbar durch verschiedene Solobemühungen bestärktes “Wir”-Gefühl zeigen die Protagonisten mit zeitgemäß aktualisierter Tonästhetik auf insgesamt 15 bzw. 30 Anspielstationen, wie man auch im deutschsprachigen HipHop-Kontext würdig altern kann. So zählen Nummern wie “Systemfuck”, “Wir”, “Taschen voller Sonnenschein”, “Nerds”, “Fenster zum Berg” oder “Smells like Teamspirit” mit zum Besten, das unser geliebtes Genre in der aktuellen Spielzeit bis dato hervorgebracht hat.

Abgehandelt: JAW – Täter-Opfer-Ausgleich

Vier Jahre nach dem “Schock für’s Leben” serviert Ihnen Freiburgs JAW seinen “Täter-Opfer-Ausgleich”. Auf würdigen Produktionen von Peet, Nowak, Cheebabeatz, Blazin Hand und JAW präsentiert Ihnen ein dem Wahnsinn nahe stehender Protagonist eine ganze Reihe mehr oder minder geeigneter Bewältigungsstrategien psychischer Traumata, die sich von der Flucht in eine alternative Persönlichkeit (”Dokta Jotta”) über die Einnahme von Psychopharmaka (”Cymbalta”) bishin zur blutigen Rache am Auslösenden (”TOA I” & “TOA II”) erstrecken. Dabei gibt sich JAW an der Seite kompetenter Gastredner wie Morlockk Dilemma, Mach One, Absztrakkt und Me$$age inhaltlich wie raptechnisch keine Blöße und kredenzt der geneigten Zuhörerin / dem geneigten Zuhörer kurzweilige Unterhaltung. Unbedingt empfehlenswert – Laden statt laden!

Abgehandelt: Pimpulsiv – Hepatitis P

Drei Jahre nach dem sagenhaften “Hoetry” stellen Bielefelds Pimpulsiv mit “Hepatitis P” wieder einmal einen Tonträger zum Verkauf bereit. Tatkräftig unterstützt von langjährigen Weggefährten wie Casper, Gleichgesinnten wie JAW und Morlockk Dilemma sowie ihren Trailerpark-Kollegen DNP und Sudden beschreiten Timi Hendrix und Skinny Shef darauf weiterhin konsequent jenen Weg, den sie auf ihren beachtlichen Vorgängern einschlugen. Entsprechend werden suboptimale Suchtpotentiale, wilde Party-Exzesse und der existentielle Überlebenskampf in der Wohnwagensiedlung adressiert – wobei sich die beiden Protagonisten durch ihren raptechnisch souveränen Vortrag jederzeit für höhere Weihen qualifizieren, während der ein oder andere Gastbeitrag sicherlich als eine Frage des Geschmacks diskutiert werden wird. Gleichwenn ich den dreizehn Anspielstationen auf den ersten Blick keine übermächtige Nummer wie seinerzeit “Terra Pi (Remix)” (siehe “Hoetry”) entnehmen kann, ist “Hepatitis P” eine rundum gelungene Veranstaltung, die sich als Glücksfall für den Freund ironischer Überzeichnungen sozialer Mißstände erweisen dürfte.

Abgehandelt: Bosca & Face – Kinokarte: Film eines Lebens

Mit ihrem gemeinsamen Einstand “Kinokarte: Film eines Lebens” präsentieren Bosca und Face ein inhaltlich wenig überraschendes Album der Frankfurter Schule. Unterstützt von ihren Label-Kollegen Vega und Olson Rough servieren Ihnen die beiden Protagonisten ehrliche Geschichten und gängige Durchhalteparolen auf druckvoll-atmosphärischen Produktionen von Emonex. Raptechnisch auf einem guten Niveau erschaffen die beiden Butterfly-Musiker nicht zuletzt dank ihres hungrigen Vortrags eines der ansprechendsten Straßenrap-Alben seit Vegas “Lieber bleib ich broke”. Scheinbar ist Butterfly Music für zukünftige Großtaten bestens aufgestellt!

Abgehandelt: LST da phunky child – Super Chrom Hifi

Auf seinem vierten Album “Super Chrom Hifi” reimt sich der Göttingen-stämmige Wahlkölner LST da phunky child raptechnisch souverän durch insgesamt 17 vertraut, aber nicht altbacken klingende Eigen- und Fremdproduktionen von Nowak, Olek, Luiz MP, Oduza, Partizan und THX. Vom Leben inspiriert reflektiert der Protagonist die Höhen und Tiefen seines Seins und lädt die Hörerin / den Hörer auf eine Reise in seine Lebenswelt inmitten der Rheinmetropole ein. Über eine Spielzeit von knapp 65 Minuten verschmelzen die verschiedenen Anspielstationen zu einem homogenen Gesamtkunstwerk, welches aufgrund seiner Gesamtstärke nur schwer in einzelne Anspieltipps herunterzubrechen ist. Wenn Sie sich jedoch in einer ruhigen Stunde auf “Super Chrom Hifi” einlassen, verspreche ich Ihnen ein angenehmes Hörerlebnis. Aufgrund einer stark limitierten Stückzahl ist rasches Handeln angebracht!

Abgehandelt: MAdoppelT – Hybrid

Unbestritten befindet sich HipHop österreichischer Machart seit dem letztjährigen Geniestreich Kamp & Whizz Viennas (Anmerkung der Redaktion: “Versager ohne Zukunft”) in einer stetigen Hausse. Diesem Umstand dürfte auch das mittlerweile dritte Studioalbum “Hybrid” des Wieners MAdoppelT keinen Abbruch tun. Stilsicher repräsentiert (”Hunga”) und reflektiert (”Ich wünschte”) sich der Künstler mit Wiedererkennungswert auf Produktionen von Brenk, Santo, Sensay und Merlin durch insgesamt 13 Anspielstationen. Dabei gesellen sich veritable Hits wie “Wünsch dir was”, “Ich wünschte” oder “Luft” an die Seite von grundsolidem Material wie “Lass es brennen” oder “Zeig mir was du hast”. Empfehlenswert!

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