Am Donnerstag holte mich Donni in Leipzig ab und wir fuhren, nachdem ich mich ebenfalls mit einer Palette 5,0er Bier eingedeckt hatte, in Richtung Ferropolis. Am Ziel angekommen, stellten wir den lilafarbenen Gallardo auf dem Normalo-Parkplatz ab, stiegen aus und plötzlich wurde mir bewusst, dass wir drauf und dran waren ein Hip Hop Festival zu besuchen. Klar, das wir mir schon vorher bewusst, aber als ich dann die ganzen Baggy Pants tragenden, besoffenen Halbstarken sah, stellte ich zu meiner eigenen Verwunderung fest, wie wenig ich mich mit ihnen identifizieren konnte. Aber da war ich auch noch nüchtern. Nachdem wir unsere Bändchen hatten, begrüßten wir Julian und Ben vom Splash!Mag und machten uns dann vollbepackt auf in Richtung VIP-Campingplatz. Vor lauter Langeweile fuhren wir erst einmal mit dem falschen Bus zum großen Campingplatz und dann gleich wieder zurück. Welch Spaß. Einige Minuten später hatten wir den Acker gefunden und Donni verfiel sogleich in Klagelieder, in denen es zum größten Teil um Chemnitz und mangelnde Sicherheit ging. Sogleich malten wir uns aus, wie Räuber des Nachts aus dem Wald kommen und unser wertvolles Gepäck per Gleisverkehr in ferne Welten transferieren würden. Aber nach dem ersten Bier in den Campingstühlen seiner Oma (Grüße!) war alles wieder in Ordnung und wir sondierten die Lage. Nachdem wir DJ Shustas Caravan entdeckt hatten, bauten wir unsere Zelte in Sichtweite auf. Schließlich kann es nie schaden, wenn man einen Phlatliner um die Ecke hat. Später trafen noch Billy aka Dr. Motte und der Lange ein, von Donni mit einem beherzten Motorhauben-Sprung begrüßt, und es stellte sich Festivalatmosphäre ein. Dazu trugen auch die zwei nordischen „Ladies“ neben uns bei, von denen die eine eigentlich lieber aufs Wackern und die andere auf Teufel komm raus flirten wollte. Super, die männlichsten Festivalbesucherinnen, im Übrigen passionierte Biertrinkerinnen, zelteten neben uns!
2. Das erste Mal-der erste Abend Pt.2!
Gegen zehn machten wir uns dann zu Fuß auf den Weg zum K.I.Z. Gig. Die Idee mit dem Bus in der Halle fand ich ja schon mal sehr witzig. So leicht lassen sich die Ämter also linken. Da war natürlich die Hölle los und ein Reinkommen schien unmöglich. Aber Billy motivierte uns mit „Dreistigkeit gewinnt“-Sprüchen und so quetschten wir uns einfach in die Halle rein. Die Show der vier Berliner war spitze, das nachfolgende DJ-Set auch. Trash halt. Nach Smalltalk mit Krasscore-Martl ging es dann wieder raus in die Nacht und auf den großen Zeltplatz. Auf dem Weg dorthin begegneten wir einer Gruppe motivierter Hamburger, alle in Jogginghosen und St. Pauli-Shirts. Nachdem uns der Wortführer stolz seine tätowierten Fäuste präsentiert und uns von seiner 187 Bande-Assoziation unterrichtet hatte, war das Nötigste geklärt und Donni führte mit ihm ein fünf minütiges Fachgespräch über die großartigen Rattos Locos. Später sahen wir, dass ungefähr zehntausend Zelte mit einem 187 Schriftzug versehen waren. Wer das wohl war? Vor dem Wok-Stand zettelten wir ein Freestylebattle an, um es nach einer Minute wieder aufzulösen. Einer der Hänger hatte tatsächlich „Ich step ans Mic“ gerappt. Im Jahr 2009 ein klares No-go! An der Fressmeile erklärte ich einem Interessierten noch fix die Kunst des Schutzgelderpressens und er ließ uns spontan an seinem selbstgemischten Becherinhalt teilhaben. Irgendwann fing es leider zu an zu regnen und wir flüchteten unter das große Zelt neben dem „Supermarkt“. Da nervten uns dann u.a. ein Erfurter, den ich beim allerallerbesten Willen nicht verstand, und ein Bielefelder, der großkotzig damit protzte, dass Casper ihn im Club bedienen und seit neuestem auch noch einen auf Gangster machen würde. Toy halt! Viel mehr passierte an dem ersten Abend nicht mehr. Zum Glück!
3.Wii Ei Pi!
Donni und ich waren glücklicherweise im Besitz der magischen, schwarzen Bänder, welche uns u.a. zum Aufenthalt auf dem VIP-Campingplatz berechtigten. Das wir für ebendiese nichts bezahlen mussten, war in erster Linie der Tatsache geschuldet, dass ich Splash!Mag Chef Julian Gupta androhte, Method Man zu einer BBQ-Party nach Staten Island einzuladen, falls wir jene Bändchen nicht erhalten sollten. Er leitete dies dann an Splash!-Organisator Mirko weiter und –schwuppsdiwupps- innerhalb von 24 Stunden brachte mir ein verängstigter und durchgeschwitzter UPS-Fahrer die erpresste Beute. Perfekt! VIP klingt natürlich immer nach Champagner und Limousine (und so hätte es auch sein können, wenn wir gewollt hätten) aber im Endeffekt hatte es genau drei Vorteile: eigene Toiletten und Duschen, der separate Eingang, sowie das fabulöse VIP-Tanz-und Gesellschaftszelt. Ich habe es wirklich sehr genossen, mittags in Ruhe die gemischten und sauberen Duschen aufzusuchen, ohne dabei in Ausscheidungen waten zu müssen. Ach ja, das Klopapier war auch nie alle und die Toiletten wurden ständig gesäubert. Danke, liebe Hygienemanager! Der VIP-Eingang ermöglichte schnelles Betreten mit eigenen Bierdosen und war damit bestens für uns broke Assi-Ossis geeignet. Der dritte und letzte Vorteil war allerdings der größte. Am Samstag legten ja die Phlatliner und Craft im VIP-Zelt auf und die halbe Gäng war natürlich mit am Start. Viele bekannte Gesichter, ausgelassenes Jubilieren und gut aufgelegte DJs, die gut auflegten. Welch ein Spaß! Direkt nach Betreten begrüßte ich Falk, der mir im Suff doppelt so groß vorkam wie in den Mixery-Videos, dann ging es erst mal nach hinten in den Chillout-Bereich. Dort trafen wir dann jemanden von 16Bars.de, wurden Selcuk von Ayranmaiden vorgestellt, sowie Gambai und dessen Gossip-Atze. Alles sehr nette Menschen, aber ich glaube, dass ich nur Unfug geredet habe. Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht mehr. Ich weiß noch, dass Gambais Homie aus Berlin nur Juelz und Camron feiert und sämtliche Gerüchte aus dem Berliner Hip Hop Zirkus kennt. Hab ich natürlich gleich getestet. Ach ja, angeblich hatte er auch Klamotten von Dennis Lisk an. Währenddessen hüpfte Curse an der Bar auf den Schultern von irgendjemandem rum und freute sich. Der Lange hat die Maschine natürlich erst mal ganz normal runtergefahren: „Ey dieser Curse, der ist ganz schön aggressiv!“ „Hey was, meinst du etwa mich?“ Konnte ja keiner ahnen, dass da Junggesellenabend gefeiert wurde. Nach längerem Businesstalk mit dem guten DJ D-Fekt, ging es auf die Tanzfläche zu einem ganz normalen Abriss mit den Schwänzengängern und einem ordentlich motivierten Choleriker im Unterhemd. Als Craft dann „Ice Ice Baby“ und „Can`t touch this“ reinknallte, sind alle durchgedreht. Ganz normal. Ich glaube, ich habe viele Menschen angerempelt und mit Bier benetzt. Ich glaube es, ich weiß es nicht mehr. Tut mir trotzdem sehr leid. Was ich noch weiß, ist das ich irgendwann rattendicht mit blutigem Mittelfinger aus dem Zelt gestolpert bin. Was auch immer das bedeuten soll. Ach ja, der Goon-Preis des Abends geht definitiv an Snuff Pro, die mal wieder die miesesten Module von allen dabei hatten. I Love College!
4.Ach ja, Acts gab es ja auch noch…!
Um es gleich mal vorwegzunehmen: ich habe leider ein paar sehr gute Acts verpasst. Das lag einerseits an den ärgerlichen Überschneidungen und andererseits an der allgemeinen Camping-Trägheit. Panzer fasste das am letzten Abend sehr treffend zusammen, als er sich wünschte, dass alle Acts einfach absagen würden und er damit kein schlechtes Gewissen zu haben bräuchte. Egal, die Auftritte die ich gesehen habe waren allesamt spitze. Die Detroiter Rabauken haben bspw. ordentlich Lärm gemacht und ich bin seit Black Milks Auftritt noch fester davon überzeugt, dass der völlig unterschätzt wird. Der müsste eigentlich viel größer sein! The Streets war sehr bewegend. Einerseits weil man sich gut dazu bewegen konnte und andererseits weil es einfach sehr bewegend ist, wenn man im Regen „Dry Your Eyes“ vorgespielt bekommt. Klingt jetzt kitschig und unmännlich, ist aber einfach mal so gewesen. Geheult hab ich natürlich trotzdem nicht, bin ja hart wie Stahlbeton. In Frankfurt. Und Umgebung. La Coka Nostra war ebenfalls wunderbar. Auch wenn ich mich ein wenig über die fehlenden Accessoires, sprich Hämmer, Macheten und Motorsägen, geärgert habe. Grüße an die junge Dame, die mich bei „Jump Around“ zum Mithüpfen animieren wollte. Du bist ein Toy! Talib war in Ordnung, mehr auch nicht. Der Sound war mies und irgendwie war ich nicht in Stimmung. Schade. Morlockk und Hiob haben den Strand ordentlich abgerissen. Da hätten aber ruhig noch ein paar mehr apokalyptische Jünger erscheinen können. Das Acapella war außerordentlich dope und ich hoffe das es viele Myspace-Rapper zum vorzeitigen Ruhestand animiert hat. Wen haben wir denn noch so gesehen? Ach ja, Red und Mef. War auch cool. Stank zwar überall nach Kifferei und der Typ neben mir hat geschlafen und ist dadurch zweimal eine Reihe nach unten gestürzt, aber sonst ganz gutes Rap-Handwerk von den netten Onkels. Die Beleidiger waren erwartungsgemäß äußerst unterhaltsam. Sogar Sylabil Spill hat mir extrem gut gefallen, auf jeden Fall viel besser als bei seinem Auftritt in Leipzig. Großes Kino und lautes Mitgegröhle bei der Cora E-Line. Wirklich? Ja! Die Jungs von Hip Hop Don`t Stop haben ebenfalls ordentlich Stimmung im Zelt gemacht. Ich war auf jeden Fall sehr überrascht, dass da Tracks von Mims und diversen Dirty Sauf Moisen gespielt wurden. Die Rucksack-Fraktion vor mir fand es auch nicht lustig. Nicht gesehen habe ich leider Ronny Trettmann, Casper und Dizzie. Ärgerlich. Nächstes Mal!
5.WANTED: Der italienische Norweger!
Das Splash! ist ein Fest der Liebe und der Harmonie. Wie ein dreitägiges Kaas-Konzert. Soviel habe ich verstanden und auch akzeptiert. Aber es gab einen Menschen, der das anders sah und es uns auch auf Teufel komm raus beweisen wollte. Die Rede ist vom Norweger (der keiner war). Und das war so: Samstag früh lag ich rattendicht und durchnässt in meinem Zelt, immer noch geplättet von The Streets und dem grandiosen Hip Hop Don’t Stop Special, und versuchte zu schlafen. Gerade als ich es geschafft hatte, wurde ich durch laute Gespräche geweckt. Farid Ständer und Panzer hatten den Zeltkreis betreten und chillten noch eine Runde mit der Wackern-Nachbarin und Nils. Ich wurde komischerweise wach und schickte ein paar unverständliche Flüche nach draußen. Natürlich ohne damit einen Effekt zu erzielen. Irgendwie bin ich dann doch wieder eingeschlafen, als plötzlich ein Höllengeschrei losbrach. Der Norweger (der keiner war) stürzte wutentbrannt aus seinem Zelt und schrie die morgendliche Talkrunde auf Englisch an. Seine Hauptaussagen-und Forderungen: Sofortige Einstellung der Gespräche, er ist hier zum Arbeiten, er will schlafen, er haut allen auf die Fresse. Ich saß augenblicklich aufrecht in meinem Schlafsack, Adrenalin durchströmte meinen müden, vergifteten Körper und ich war bereit rauszuspringen. Obwohl ich kein Wort sagte, haute er plötzlich auf mein Zelt und meinte, dass ich auch die Klappe halten soll. Okaaay. Farid Ständer redete währenddessen auf ihn ein und gab ihm (recht monoton) Paroli. Durch meine Trunkenheit klang es jedenfalls sehr nach Hengzt-Englisch. „No no, it´s a festival. No sleep. It`s normal“. Der Norweger akzeptierte diese Erklärungsansätze natürlich nicht und drohte weiter Gewalt an. Irgendwann wurde es ruhig und er zog murmelnd ab. Was war passiert? Panzer, der komatös in seinem Stuhl hing, wurde wohl noch umgeworfen, aber dann stand Nils auf. Nils war ca. 2 Meter groß, wog 200 Kilo und hatte Hände wie Baggerschaufeln. Gäbe es die Terror Squad auch in Deutschland, dann wäre er definitiv Mitglied. Der Legende nach baute er sich in Zeitlupe vor dem krakeelenden Schwachkopf auf und verdunkelte für einen Moment die Morgensonne. Dann war Ruhe. Ich versuchte wieder einzuschlafen, aber der Wärmezyklus meines Schlafsacks war hinüber. Irgendwann schaffte ich es dann aber, nur um wieder durch Lärm und Geschrei geweckt zu werden. Der Norweger lief ganz offensichtlich mit einem Topf durch den Zeltkreis, klapperte lautstark damit und schrie „Wake up, it´s a festival. No sleep!“ Tja, mit den eigenen Waffen.. Dann taggte er noch Panzers Stuhl mit dem Wort Toy voll, drohte Billy, der im Auto schlief, die Scheiben zu zerkratzen und verschwand wieder. Außer mir ist natürlich wieder niemand wach geworden. Irgendjemand erzählte später, dass der Norweger eigentlich Italiener war. Ist mir aber gleich, ob er lieber Pasta oder Kjottkaker isst, tot ist er so oder so!
6.Du bist was du isst!
Ernährungstechnisch sind Festivals in der Regel weder besonders vitaminreich noch ausgeglichen. Sprich: Deine Mutter würde dir erst den Hintern versohlen, wenn sie wüsste was du da in dich reinstopfst und dir dann doch besorgt einen Apfel reichen. Aber so ist das nun mal, man ist ja nicht gekommen um Haute Cuisine zu genießen. Dank Donnis Gaskocher gab es jedenfalls tonnenweise Fünf-Minuten-Terrinen und Nudelgerichte aus der Dose. Dazu Wurst, Brot, Kekse und Red Bull und alles war geritzt. Um ein wenig Abwechslung reinzubringen, wurde ab und zu auch mal (mehr oder weniger) Essbares auf dem Gelände erworben. Die Pizzataschen waren der Gäng-interne Favorit. Ein Gedicht! Die Burger, die u.a. von einem nervös-grinsenden Junkie verkauft wurden, waren auch lecker, aber definitiv zu teuer. Der absolute Über-Geheimtipp war allerdings der afrikanisch-karibische Imbiss am Anfang der Fressmeile. Was der gute Mann da morgens um 4 gezaubert hat, war nicht nur sehr schmackhaft und günstig, sondern auch allerfeinste Unterhaltung. Auf jeden Fall unterhaltsamer als so mancher Reggae-Rapper. Nach Donnis erstem Testlauf, der überaus erfolgreich verlief, begleiteten Panzer und ich ihn beim zweiten Mal. Das Prinzip war folgendes: Du gibst soviel Geld wie du eben hast oder geben willst und bekommst dafür irgendwas Entsprechendes. Es gab diverse Fleischsorten, frittiertes Gemüse, Salat und einige andere Dinge, die uns (noch) nicht so geläufig waren. Und jeweils großzügige Portionen für wenig Geld, da konnte man genau gar nichts falsch machen. Es sei denn natürlich man heißt Ulf und isst am liebsten Deutschländer, dann klappt das nicht. Den wirklichen Eventgastronomie-Charakter machte allerdings die unkonventionelle Arbeitsweise des Verkäufers aus. Er brauchte für einen Teller mindestens fünf Minuten, da er im Zelt umher tänzelte, jeden Deckel anhob, sekundenlang verharrte und überlegte, nur um dann blitzartig die verschiedensten Dinge zusammen zu werfen. Herrlich! Am Ende kam sogar noch V-Mann und tat es uns gleich. Aber da hatte Panzer schon die Zutaten, die er nicht kannte, zurück in den Topf geworfen. Später fragte er noch die verängstigten Menschen im Bio-Crêpes-Stand, ob es denn „Hartewurst“ gäbe. Als sie verneinten, brachte er die Theke mit einem kräftigen Handschlag zum Wackeln und überlegte laut, ob er den Wagen bis zum Zelt ziehen sollte. Schmecken lassen!
7.Du bist was du trägst!
Klamotten sind unwichtig. Das sagt Professor Prinz Porno im aktuellen Splash!Mag-Interview und das scheinen einige Splash-Besucher ähnlich gesehen zu haben. Ich war jedenfalls überrascht, wie viele Hip Hop Menschen noch ihre traditionelle Kluft tragen. Der Anteil der Leggins+Hemd+Hipsterfresse –Fraktion war eher gering. Hatte ich nicht erwartet. Dafür gab es wie gesagt noch sehr viele, die in überweiten Illmatic-Baggys und zu kurzen Riesenlogo-Hoodys über das Gelände watschelten. Schön. Verdammt, es gab sogar noch den ein oder anderen 9XL-Dipset-Gewandträger, so das man sich fühlte, als wäre man im Jahre 2004 gelandet. Cheeeaah! Stark vertreten waren auch die ATZNMSK-Fans, die sich besonders atzig kleideten und gaben. Was auch immer das im Detail auch heißen mag. Schön war jetzt das irgendwie auch nicht. Am besten gefallen haben mir da die fantasievollen Kostüme so mancher Besucher. Einer ging als Kuh verkleidet, ein anderer als Altenpfleger. Ach nee, das war ja Reggae Säm. Ich bin jedenfalls mal gespannt, in welche Richtung es sich nächstes Jahr bewegen wird. Eng? Weit? Bunt? Grau? Für diese Trendanalyse stellen wir sie nun zu unserem Modeexperten Professor Prinz Porno durch, dem bekennenden Sneakerfreaker und ehemaligen Yamamoto-Model…!
8.Fremde werden Freunde!
Das Gute an Festivals ist das man seine zivilisatorische Schutzhülle abstreifen und in das Kostüm des „Ich quatsch jeden voll“-Typs schlüpfen kann. Herrlich! Aber dadurch entstehen halt auch, wie ihr alle selber wisst, die besten Dialoge und interessante Bekanntschaften. Einen sehr bleibenden Eindruck hinterließen bspw. besagter Nils und sein Kumpel, die wohl irgendwie mit David Luther, dem Manager von Laas Unltd., angereist waren und zwei Tage in unserem Zeltkreis verbrachten. Dabei kam es auch zu einem völlig übermotivierten Schaukampf der beiden, der mit einer Schelle begann und u.a. auf Panzers Motorhaube ausgetragen wurde. Die Delle beulte sich zum Glück recht schnell wieder aus. Skurril! Sehr stark war auch mein Interview mit Geronimo aka SMG (Self Made Genius!). Wie es dazu kam? Während der Hip Hop Don`t Stop Show sah ich hinter uns einen cripwalkenden Harry Potter-Verschnitt mit Zopf, der völlig alleine am Start zu sein schien. Ich begrüßte ihn mit den Worten „Ich feier deinen Swagger komplett!“ Er verstand nichts und lächelte ängstlich. Draußen chillten wir ein bisschen mit ihm und ich interviewte ihn spontan mit Handykamera. Es war köstlich! Sein erster Auftritt war auf einem französischen Yogafestival und er rappt meistens auf Englisch (Kostprobe inklusive!). Großen Respekt auch an die Wiener aus dem Bus, die auf meine „Wien West“-Rufe artig mit „Aggro Wien“ antworteten. Spitze. Und schließlich noch die Jungs und Mädels von Nine Hillz Clothing aus Chemnitz, die sich Sonntag früh noch zwei Stunden von mir und meiner betrunkenen Nervigkeit bespaßen lassen mussten. Ihr wart großartig! Alle!
9.Ordner ordnen die Ordnung ordentlich! Ok?
Ich habe während des gesamten Festivals nur liebe Studenten und ältere Herrschaften in farbigen Westen gesehen und nicht einen einzigen Security-Mutanten. Das fand ich sehr sympathisch. Nichtsdestotrotz gab es die ein oder andere „Situation“. Eine spielte sich am Haupteingang ab und war äußerst skurril. Im Eingang neben mir wurde ein Typ nicht durchgelassen, weil er ein Thor Steinar(!) Portemonnaie dabei hatte. Also mal ganz davon abgesehen, dass man als vernünftiger, halbwegs gebildeter Mensch nichts bei dieser hängen gebliebenen Wurstfirma kauft (nein, nicht mal Portemonnaies!) ist es auch nicht besonders clever damit bei einem Hip Hop Festival rum zu wedeln, geschweige denn am Einlass zu selbigem. Trotz seiner Beteuerungen musste er es ausleeren und wegwerfen. Zur selben Zeit wurde ich abgetastet und dabei wurde mein Leatherman entdeckt. Den hatte ich überhaupt nur für Campingzwecke mit und dann vergessen abzulegen. „Aha, wasn das?“ „Äh..Zigaretten!?“ „Nee, das sind keine Zigaretten..“ „Ja ok, das ist mein Leatherman!“ „Leatherman? Cool! Kannst weiter gehen“. Ja, so war das. Ich war also auf dem Gelände und in Besitz einer tödlichen Waffe. Zum Glück bin ich nicht Osama, der hätte das sicher schamlos ausgenutzt. Eine weitere Begebenheit ergab sich beim samstagabendlichen Bierdosentransport durch den VIP-Eingang. Der Ordner, Typ Soziologiestudent mit Hang zur Kaulquappenzucht, wollte mich nicht durchlassen, weil ich eine offene Dose mit mir führte. „Damit kann ich dich nicht rein lassen!“ „Ach komm, das ging doch die letzten Tage auch immer“ „Tut mir leid, aber das geht nicht“ „Aber das ist doch VIP!“ Da schaltete sich sein Kollege ein: „Bild dir da mal nichts drauf ein. Hier ist doch jeder VIP!“ Arrgh, wo war mein Leatherman als ich ihn brauchte? Letztlich einigten wir uns darauf, dass ich jetzt einfach durch gehen würde und basta. Tony D-Style! Die letzte „Situation“ erlebten Farid Ständer und Panzer, als sie zu Jedi Mind Tricks ins Zelt wollten (No Homo) und der Ordner ihnen mitteilte, dass er keinen mehr rein lassen dürfte. Panzer erklärte ihm dann ganz gelassen, dass er Künstler sei und schon mal rein müsse, wegen seinem Auftritt nachher. Der Ordner war sichtlich beeindruckt, machte völlig übermotiviert Handshake mit Panzer und ließ die beiden passieren. FAIL!
10.Was macht eigentlich…!
Ein Hip Hop DJ auf dem Splash? Er zieht sich rosa Leggins an und geht zum Feiern ins Electro-Zelt! Spaß beiseite, liebe Leser, aber es ist schon etwas Wahres dran. Electro hat Reggae als Zweit-Zugpferd auf dem Splash abgelöst. Darüber waren einige schon im Vorfeld erfreut, dazu zähle ich mich, andere jedoch weniger. Und ich kann die Nörgler in gewisser Hinsicht auch verstehen.Wenn man nun mal absolut nichts mit Boys Noize (dessen Set im Übrigen phänomenal scheiße war!) und Konsorten anfangen kann, dann war es ab einer bestimmten Uhrzeit durchaus schwierig geeignete Alternativen zu finden. Allerdings gab es diese, bspw. Hip Hop Don`t Stop und DJ Vadim Set, auch wenn es vielleicht nicht gereicht hat für all die Traditionalisten. Interessanterweise lief im VIP-Zelt, zumindest wenn ich da war, nur Rap und nie Electro. Was sagt uns das? Der Pöbel soll sich Pillen schmeißen und der Adel boombappt sich durch die Classics!

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PPS: Wir sehen uns 2010!
PPPS: Die nächste „richtige“ Sonntagskolumne kommt wieder! Bestimmt!
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