Im zweiten Teil unserer “Zukunft-des-splash!”-Reihe geht’s ans Eingemachte. Nachdem wir mit Samy Deluxe die Sicht eines Außenstehenden auf das Festival gezeigt haben, ziehen wir nun mit Thomas Resch, splash! Gründer und Booker, Billanz. Was war aus Organisatorensicht positiv am splash! 2009, wo lagen die Fehler? Vor allem interessiert uns aber natürlich die Zukunft des Festivals, daher sprechen wir über Visionen fürs splash! 2010. Natürlich stehen wir da noch am Anfang, daher werden wir in Zukunft häufiger berichten, wie die Festivalorganisation verläuft- wenn euch das denn interessiert. Wir freuen uns auf eure Kommentare. (Fotos: Pixelhure außer “Detroit Moves” by The Binh )
Wie ging’s euch nach dem splash! 09- Seid ihr da alle erst einmal kollektiv in ein Loch gefallen?
Der kurzfristige Umzug war schon ganz schön anstrengend. Letztendlich ist es nicht ganz einfach, wenn sich die Arbeit von einem ganzen Jahr auf 3 Tage Ergebnis erden. Zeit, um sich in ein Loch, oder besser, in ein Bett fallen zu lassen, hat man leider nicht. In dem Monat nach dem Festival gibt es noch viel aufzuarbeiten.
Wie lautet euer Fazit nach dem splash! 09 – Top oder Flop? Ist der Neustart geglückt?
Seit dem Wegzug aus Chemnitz fühlt sich irgendwie jedes Jahr ein bisschen wie ein Neustart an. Aber genau das ist es auch, aus dem man seine Energie zieht. Jetzt hat die Reise aber erst mal ein Ende. Wir fühlen uns auf Ferropolis zu hause und sind uns sicher, dass das splash! und vor allem unsere Besucher, dort eine tolle neue Location gefunden haben.

Dieses splash! bot mehr musikalische Innovationen als jemals zuvor. Was ist euer Fazit, was die musikalischen Experimente angeht?
In diesem Jahr gab es im Vergleich zu den vergangenen Jahren sicher das musikalisch breiteste Line Up. Für uns war es wichtig, der Aktualität Tribut zu zollen und über den Tellerrand zu schauen. Im Großen und Ganzen kam das auch gut an. Es ist natürlich immer schwierig, solche Schritte zu gehen und dabei niemanden zu verschrecken. Letztendlich haben wir aber ein recht aufgeschlossenes und neugieriges Publikum, das sich auch gern mal auf neue Sounds einlässt. Für uns war zu sehen, dass vor allem Grime und Dubstep eine sehr gute Ergänzung zum bisherigen Hip Hop Line Up sind. Das werden wir auf jeden Fall konzeptionell weiter entwickeln.

Welcher Act hat euch dieses Jahr besonders überzeugt?
Da können die Besucher sicher bessere Antworten geben. Wie jedes Jahr nimmt man sich vor Vieles zu sehen und stellt dann fest, dass es wieder nicht geklappt hat. Von den paar, die ich zum Teil gesehen habe, haben mich La Coka Nostra, Santigold, Black Milk, Rusko, Atmosphere, Toddla T und Samy überrascht.

Die Spekulationen, wie viele Besucher dieses Jahr kamen, schießen ins Kraut. Könnt ihr denn eine Zahl nennen?
Nein, machen wir nicht. Das überlassen wir wie immer den „Journalisten” bzw. irgendwelchen Internetforumnerds, die nicht da waren. Die wissen das eh besser als wir.
Warum verkündet ihr eigentlich keine Besucherzahlen mehr?
Es ist für uns schlicht kein Indikator. Um den wirtschaftlichen Erfolg von Festivals zu messen, müssten man ja auch keine Besucherzahlen, sondern den Bilanzgewinn ausweisen. Das ist natürlich extrem spannend. Wir halten uns da lieber zurück und lassen das Erlebnis für sich sprechen.

Wie ist das Fazit im Bezug auf das neue Gelände. Einerseits kamen die sanitären Anlagen und die betonierte Fläche allen zugute, andererseits waren da die längeren Wege aufs Gelände.
Mit dem Umzug nach Ferropolis hatten wir dieses Jahr zwar noch ein paar Startschwierigkeiten, aber dafür gerade in der Zukunft eine Menge interessanter Optionen. Das Gelände hat jetzt schon viele Vorteile gegenüber anderer Festivalspots und bis zum nächsten Jahr wird sich dort noch einiges entwickeln. Was die Wege betrifft, arbeiten wir weiter an unserem Shuttlekonzept. Wobei man aber sagen muss, dass es auf diversen Festivals dieser Größe so etwas gar nicht gibt. Da ist es ganz normal, dass man 20 min zwischen seinem Campingplatz und dem Festivalgelände unterwegs ist.

Nach dem splash! 2008 kam die Frage auf, ob das splash! 2 oder 3 Tage andauern soll. Stellt sich diese Frage nach dem Festival dieses Jahr für euch wieder?
Nein, sie stellt sich nicht. Das Votum unserer Besucher war eindeutig. Vor allem aber die einzelnen Begründungen sind für uns sehr schlüssig gewesen. Splash! geht auch 2010 über drei Tage.

Wie wird das Festival aussehen, gibt es da schon eine Vision?
Vom Flair und der Euphorie wie 1999, mit der professionellen Organisation von 2010
. Das wäre natürlich das Beste was allen passieren könnte. Ein Traum. Da wir das aber nicht allein passend machen können, hoffen wir auch auf die entsprechende Einstellung unserer Gäste.
Von unserer Seite wird folgendes kommen:
Ein größeres Augenmerk auf die einzelnen Events wie Breakdance, Graffiti, Skateboard, etc. Eine verbesserte Kommunikation vor Ort. Eine verbesserte Soundqualität. Mehr Security und Ansprechpartner auf den Campingplätzen. Wir wollen das splash! wieder zu einem richtigen Hiphop-Event machen. So wie wir die Kultur begreifen, besteht sie nicht nur aus Zuschauern und Konsumenten, sondern eben auch aus Leuten, die mitmachen und sich austauschen. So entstehen oft große Momenten, auf der Bühne aber auch auf den Zuschauerrängen. Daher werden wir uns ein Stück weit wieder auf die Wurzeln besinnen, ohne dabei die Äste und die Zukunft von HipHop zu vergessen. Momentan arbeiten wir da an konkreten Konzepen, viele Ideen, wie wir das umsetzen wollen, haben wir schon. Natürlich hoffentlich wir auf viele gute Acts, mit vielen guten Performances. Das ist und war immer schon die Basis für ein gelungenes Festival.

Reden wir mal über das splash! Orga-Team: Wie groß ist splash! Entertainment?
Wir sind zu dritt. Allerdings arbeiten zeitweise je nach Gewerke noch einige externe Leute mit. Und wir haben jedes Jahr um das Festival noch ein, zwei tapfere Praktikantinnen.
Wie sieht bei euch der normaler Arbeitstag aus? (9-5??)
9-5 könnten so in etwa 10 % des Jahres ausmachen. (jetzt ist es gerade 21:27 Uhr
) Letztendlich kann man das nicht wirklich runterbrechen. Es wird halt gearbeitet bis es fertig ist.

Ist Festivalveranstalter lohnenswert oder doch eher ein Job mit viel Idealismus?
Also ich sitze hier gerade in meiner Mietwohnung in Chemnitz. Hier kostet der qm 5,20 € kalt… …dürfte also Idealismus sein. Aber ohne Spaß, wir leben seit 12 Jahren davon und das ist doch eigentlich wirklich OK.
Was habt Ihr aus dem Debakel mit Nas oder Juelz Santana gelernt?
Tja was lernt man, wenn man sich 1000fach zurückversichert und mit der wohl weltweit größten Agentur zusammenarbeitet? Künstler sind merkwürdige Menschen und Geld zählt nur bedingt.

Hat die Stadt Chemnitz eigentlich jemals versucht, das splash! Wieder in ihre Stadt zu holen?
Nein.
Wie seht Ihr andere klassische HipHop Festivals? Konkurrenz? Freundschaftlich?
Wir pflegen eine freundschaftlichen Beziehung zum Hip Hop Kemp. Babs (der Veranstalter) meldet sich ab und an und man tauscht sich aus. Laut seiner Aussage, war es auch das splash! das ihn dazu bewegt hat, das Hip Hop Kemp auf die Beine zu stellen. Mit den Hip Hop Open(minded) Gründern Strachi und Showi sind wir auch befreundet. Im Grunde genommen sind die Festivals zu verschieden, um in Konkurrenz zu stehen. Und außerdem gibt es im Hip Hop keine Konkurrenz, da gibt es Competition. Wer was anderes behauptet, ist ein übereifriger Promoter der nicht im Interesse des Veranstalters arbeitet und seinen Job überschätzt

Wann geht’s in Urlaub?
Am 21. September. Mit Freundin, Kind und Hund an die Ostsee. Es wird gutes Wetter geben, denn es hat ja schon während des Festivals geregnet. YIIIPPPEEEE