von splash-mag am 15.01.2009 in:
Allgemein,
Kolumne
Zunächst ein paar Sätze zum Club. Das Rocker 33 ist, was kontemporäre, urbane Musik aus allen Himmels- und Musikrichtungen angeht, die beste Adresse Stuttgarts. Mir ist dort zumindest kein besserer Club bekannt. So sollte auch es auch wieder an einem Freitag Abend Ende November sein, denn es kündigte sich niemand Geringeres an, die Tanzmeute mit sogenannter Maximal-Musik zu füttern, als Ed Banger Gründungsmitglied Mr. Flash.
Dieser brachte 2003 mit dem ersten Release zur Gründung von Ed Banger Records "A Bass Day (ED 001)" den New Rave Stein ins Rollen, der heute seinen Zenit erreicht zu haben scheint. Ein guter Zeitpunkt für mich also auszutesten, ob die in Frankreich losgetretene New Rave Bewegung immer noch existiert, oder sich schon längst zu den vielen anderen schnellebigen Genres in die Kategorie "Ferner liefen…" gesellt hat.
Tatsächlich blieb die große Meute bunter Sonnenbrillenträger, öhrenjeansfetischisten und Knicklichtsoldaten aus. Das Rocker wollte sich, auch zu fortgeschrittener Zeit, einfach nicht richtig füllen. Die sehr mittelmäßigen Warm Up Dj´s taten ihr übriges und trieben die Gäste eher Richtung Bar als auf die Tanzfläche.
Als Mr. Flash dann irgendwann gegen 2 Uhr mit seinem Set begann, wurde die Stimmung besser und die Tanzfläche voller. Eine Handvoll Die Hard Ed Banger Fans motivierten die restlichen Gäste mit ihnen zusammen zu schwitzen. Mr. Flash
servierte den Leuten Altbekanntes und -bewährtes aus dem Hause Ed Banger, gemischt mit eher unbekannteren jedoch nicht minder tanzbaren Nummern. Der große Partyfunke wollte aber nicht überspringen, und als ca. 25 Sombrero tragende volltrunkene Proletenjurastudenten o.ä. die Tanzfläche stürmten, erinnerte die Stimmung auf der Tanzfläche eher an primitives Treiben im Ballermann 5.
Als Mr. Flash und die Warm-Up DJ´s anfingen, sich im Ping Pong Modus durch ihre Crates zu spielen, ging schließlich jedes musikalische Konzept verloren und die meisten Gäste entschieden sich zu gehen. Schade, den an sich zeigte Mr. Flash eine solide Leistung.
An diesem Abend jedenfalls war nichts von einem Ed Banger Hype zu spüren, stattdessen beschlich einen ein unsägliches Großraumdiskofeeling mit zu wenigen, schlechten Gästen. Daran konnten auch vereinzelte Lichtblicke nichts mehr ändern.
Fazit: Wo die Welle hingeht, kann man wegen dieses einen Abends in nur einer Stadt natürlich nicht sagen. Doch manche Leute haben eben das Gespür für Schnee. Und es wird zumindest kühler.
Dexter ist Rapper, Produzent und DJ. Er ist beim Heilbronner Label Wortsport Productions unter Vertrag. Er hat bisher für Morlockk Dilemma, Damion Davis u.a. produziert und vor Kurzem das Album "Schelle" mit seinem Labelkollegen Jaques Shure veröffentlicht. Als DJ ist er in ganz Deutschland unterwegs. Mit anderen HipHop Aktivisten aus Köln, Berlin, Frankfurt und Leipzig betreibt er den Generation Tapedeck Blog.