Hi Alchemist, wie geht es Dir?
Mir geht es bestens, ich chille gerade in New York und mache ein paar Beats.
Ich dachte Du lebst an der Westküste…
Ich habe sowohl in L.A. als auch New York Wohnungen und bin mal hier, mal da. Ich genieße diplomatische Immunität an beiden Küsten. [lacht]
Gibst Du Deinem kommenden Album ‘Chemical Warfare’ noch den letzten Schliff oder ist es bereits komplett fertig gestellt?
Ja, hier und da lege ich noch einmal Hand an und möchte noch ein wenig daran arbeiten, aber das Album wird großartig.
Wer wird darauf vertreten sein?
Zum einen die üblichen Verdächtigen, auf der anderen Seite aber auch Künstler, die man nicht erwartet hätte. Ich möchte noch nicht zu viel verraten. Three 6 Mafia sind dabei, Fabolous und einige, die ich auf dem letzten Album nicht drauf hatte, wie zum Beispiel Snoop Dogg. Major Künstler wie Lil’ Wayne, aber auch Underground Cats wie Dilated Peoples, Kool G Rap oder Oh No. Ich finde es Klasse Oh No direkt nach einem Lil’ Wayne Song zu featuren, das ist einmalig. Ich weiß nicht ob Du davon gehört hast, ich habe auch eine Crew mit Oh No namens ‘Gangrene’.
Ja, ich habe da ein Video auf youtube gesehen, ziemlich verrückt.
Genau das war der Grund, wir wollten dass die Leute sich denken: „Was zum Henker ist das für ein kranker Scheiß.“ Das ist das Konzept hinter ‘Gangrene’, es wird roher und abgefahrener Kram. Ich freu mich sehr auf dieses Album, wir haben beide produziert und auch gerappt, es ist sehr dope.
Zurück zu ‘Chemical Warfare’, wird es wie Dein erstes Album über KOCH veröffentlicht?
Ja, richtig. Wir werden vorab eine „digital only“-EP namens ‘The Alchemist Cookbook’ veröffentlichen. Sie wird Ende November erscheinen und neben bereits geleakten Songs auch das eine oder andere Exclusive beinhalten. Ich möchte einfach noch ein wenig Buzz für das Album erzeugen. Parallel zur EP werden wir auch noch ein Video zum Song ‘Lose Your Life’ abdrehen. Es wird ziemlich kreativ und experimentell, ein animierter Clip der pünktlich zu Halloween veröffentlicht werden soll.
Heißt aber auch, dass der ursprüngliche Releasetermin von ‘Chemical Warfare’ wieder verschoben wird. Dieses Album wurde bereits mehrmals zurück gestellt…
Ich möchte nicht, dass es untergeht und Timing ist heutzutage alles. Die Leute sollen richtig hungrig darauf werden. Als Produkt eines Labels ist man zudem immer davon abhängig, ob man in das Budget des Geschäftsjahres passt, „big business“ halt. Sie haben mich für dieses Album ordentlich bezahlt und geben mir trotzdem die Freiheit, nebenher verschiedenen Projekten nach zu gehen. Ich habe die Arbeiten an ‘Chemical Warfare’ mehrmals unterbrechen müssen, da meine Leute auch Beats von mir wollten. Evidence kam mit ‘The Weatherman LP’, Prodigy mit ‘Return Of The Mac’ und kürzlich ‘H.N.I.C. 2′, das ist mir alles sehr wichtig gewesen. Aber ich komme mit den Leuten von KOCH gut aus, sie glauben an mich und das Produkt und wollen es richtig timen.
Gibt es denn nun schon einen fixen Veröffentlichungstermin für ‘Chemical Warfare’?
Im ersten Quartal des neuen Jahres. Wir wollen nicht kurz vor Weihnachten untergehen, daher. Glaub mir, ich kann es kaum erwarten es zu veröffentlichen und möchte es nicht auf das „Detox“-Level bringen. Darum kommt wie gesagt demnächst die EP, ‘The Alchemist Cookbook’. Jeder Song ist auch gleichzeitig ein Rezept, mit den Zutaten. Ich habe einfach die einzelnen Elemente der Songs wie in einem Kochbuch aufgeschlüsselt. Wenn Du aufmerksam meinen Blog liest weißt Du, dass ich gerne schreibe. Ich lasse mir da was interessantes einfallen.
Bringt Dich die Tatsache, dass KOCH eine gehörige Summe in das Album investiert, kreativ oder mental unter Druck?
Ehrlich gesagt, macht mich dies sicherer und ich fühle absolut keinen Druck. Im Gegenteil, ich weiß, dass eine Menge Geld in Marketing und Promotion investiert wird, was positiv für das Album ist, da das Album verdient, von einer Menge Leuten gehört zu werden. Als weißes Kid aus Beverly Hills, das es in der Rapwelt nach oben geschafft hat, ist meine Lebensgeschichte schon kommerziell genug, ich muss nicht auch noch meinen Sound kommerziell verwässern. Die Leute können sicher sein, dass Alchemist immer eine Marke sein wird, der man vertrauen kann.
Was ist Deiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen Deinem Erstling ‘1st Infantry’ und dem Nachfolger ‘Chemical Warfare’?
Ich habe die selbe Formel wie bei ‘1st Infantry’ verwendet, aber es ist definitiv eine Steigerung. Die Soundqualität ist besser, meine Produktionstechnik hat sich verbessert. Es reflektiert mein Leben, ich bin reifer geworden, es ist etwas düsterer. Es geht mehr um mich, ich rappe ein wenig mehr.
Wie war der Arbeitsprozess mit den beteiligten Künstlern? Hast Du alle nacheinander im Studio versammelt oder wurden die Spuren größtenteils via E-Mail verschickt?
Persönlich spornt es mich enorm an, wenn ich im Studio mit einem großartigen Rapper sitze, da gemeinsam im Studio eine enorme kreative Energie herrscht. Daher bevorzuge ich es immer, mit allen im Studio zu sein, doch heutzutage kann ich es mir auch nicht einfach mal so leisten, Three 6 Mafia nach New York fliegen zu lassen, sie im Hotel einzuquartieren und ein paar Tage im Studio abzuhängen. Die Technik von heute macht dies nicht zwingend notwendig. Glaub mir, einige der besten Tracks auf dem Album sind über Telefongespräche oder E-Mail entstanden. Ich lasse mich nicht begrenzen, wenn Jay-Z bis morgen einen Beat möchte, dann schicke ich Ihm diesen einfach kurzerhand per E-Mail.
Du hast eine sehr loyale Underground-Fanbase, schaffst es auf der anderen Seite aber auch, mit Mainstream Künstlern wie T.I. oder Lil’ Wayne zusammen zu arbeiten. Wie unterscheidet sich die Arbeit mit beiden Gruppierungen?
Persönlich eigentlich kaum, aber bei bekannten Künstlern hat man meist mit großen Egos zu kämpfen. Andernfalls, wer selbstbewusst ist, hat auch Swagger. Lass es mich so formulieren, ich mag es mit Leuten zu arbeiten, die unbedingt auf einem Alchemist-Beat rappen möchten. Ich denke da an das „Premier-Konzept“. Egal ob bekannt oder unbekannt, jeder möchte auf einem Premier-Beat rappen, da sicher ist, dass Premo das beste heraus holt. Mit einigen jungen MCs aus L.A. habe ich das selbst schon bemerkt, die sagen: „Wow, ich rappe über einen Alchemist-Beat, das ist eine einmalige Gelegenheit.“
Ich habe kürzlich ein Promo-Foto zu ‘Chemical Warfare’ entdeckt, das im Street-Art-Style war. Interessierst Du Dich besonders für Street Art oder Graffiti?
Definitiv, ich liebe es. In Los Angeles sind Street Art und Graffiti weit verbreitet. Es ist wie Skateboarding oder einen Beat zu machen, man nutzt einfach das urbane Umfeld um kreativ zu sein. Die Promokampagne als auch das Layout zum Album werden eine Art Tribut an Banksy sein. Sein Buch hat mich mehrere Tage in den Bann gezogen und seine Kunst ist inspirierend für mich. Er ist für mich einer der krassesten Typen auf dem Planeten, der sein komplettes Leben seiner Kunst untergeordnet hat. Ich hoffe es macht Ihm nichts aus, wenn wir Ihm mit dem Albumlayout unsere Ehre erweisen. Also Gruß an Banksy!
Street Art Promo für ‘Chemical Warfare’
Warst Du wie Evidence damals auch als Writer unterwegs?
Ja, hier und da ein wenig, aber nie auf solch einem hohen Level wie Evidence, der das auch heute noch gut drauf hat.
Wenn wir schon über die Vergangenheit sprechen. Was würdest Du sagen, welche Rapplatte hat bei Dir eine Initialzündung ausgelöst um auch selbst aktiv zu werden?
‘La Di Da Di’ von Slick Rick und Doug E. Fresh war die erste Platte die ich besaß, doch die erste Platte die mich inspiriert hat selbst zu rappen war ‘Licensed To Ill’ von den Beastie Boys. Dieses Album hatte einen verdammt rohen Sound, das waren ein paar weiße Rock’n'Roll-Kids die den ganzen Tag Party machten und Bier tranken. Klar, dass wir das als Kids auch cool fanden. Es war gleichzeitig die erste weiße Rapcrew die glaubwürdig war, immerhin tourten Sie gemeinsam mit Run DMC durchs Land. Wenn es ums Produzieren geht, dann auf jeden Fall DJ Premier. Seine Beats habe ich studiert, um zu wissen wie ein gewisser Kick- oder Snare-Sound zustand kam, oder wie man einen Loop choppt. Und in L.A. hatten wir ja auch eine Menge begnadeter Produzenten wie E.Swift, Battlecat, Dr. Dre und natürlich die Soul Assassins Crew um DJ Muggs, Ralph. M, DJ Lethal oder T.Ray.
Hast Du denn jemals versucht mit den Beastie Boys einen Song auf zu nehmen?
Nein, aber das wäre so dope! Ich würde liebend gerne etwas mit Ihnen aufnehmen, bin mir aber nicht sicher, ob die Beasties das auch wollen, da sie in das ganze Rapding nicht mehr so involviert sind. Wir haben auch ein paar gemeinsame Freunde und ab und zu sehe ich sie mal in New York. Vielleicht klappt es ja eines Tages.
Wäre doch noch eine Überlegung wert für ‘Chemical Warfare’…
Da habe ich auch gerade dran gedacht, noch ist es nicht fertig gestellt. [lacht]
Bei Deiner ersten Crew, den Whooliganz, hast du bereits gerappt, danach hast Du das Mic jedoch für sehr lange Zeit in die Ecke gelegt. Wie kam es, dass Du wieder mit Rappen anfingst?
Über all die Jahre habe ich nebenher immer noch Reime geschrieben und auch gerappt, ich habe es nur nicht so ernst genommen. Mit den Whooliganz habe ich bewiesen, dass ich rappen kann. Als ich dann mit Muggs rum hing bin ich, anstatt zu rappen, tiefer ins Beatmaking vor gedrungen. Als die Jungs von Infamous Mobb in New York mitbekommen hatten, dass ich weiter Texte schreibe haben Sie mir Props gegeben und Twin wollte sogar, dass ich Ihm ein paar Reime schreibe. Wenn ich Leuten wie Ludacris oder Jadakiss Beats anbot, habe ich mich jedoch immer davor gehütet, mich auch als MC anzupreisen, nach dem Motto: „Ey Yo, ich kann dir hier auch einen heißen 16er drauf packen.“ So etwas würde ich niemals tun, das entspräche einfach nicht meiner Philosophie.
Bist Du kritischer mit Deinen Beats oder mit den Raps?
Ahm…[überlegt]…ich bin kritischer mit meinen Beats. Die Raps sind eher eine Fun-Sache bei der ich experimentieren kann. Bei den Beats gibt es jedoch keine Ausreden. Die Beats müssen ausgezeichnet sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Beat besser als der vorherige sein muss. Klar bin ich immer im Wettbewerb mit mir selbst, doch manchmal kommt es auch nur auf den Vibe an, der dich bei einem Song packt.
Neben Produzieren und Rappen bist Du gelegentlich auch als DJ in Aktion und hast bereits Mobb Deep und Eminem auf Ihren Tourneen begleitet. Hast Du jemals versucht Dich intensiver mit Turntablism zu beschäftigen, das an der Westküste durch Vorreiter wie Qbert oder den Beatjunkies recht populär war?
Was diese Jungs können ist so komplex und kompliziert, das hätte ich neben Produzieren und Rappen nie hinbekommen. Ich kenne auch keinen Turntablist, der gleichzeitig produziert und rappt, aber vielleicht gibt es den ja. Ich wollte einfach Platten machen, da ich das Gefühl hatte, so mehr Gehör zu bekommen. Ich finde es absolut unglaublich was diese Typen an den Turntables hinbekommen und auch wenn ich jetzt ab und zu auflege, habe ich darin nie meinen Weg gesehen. Ich habe meinen eigenen Stil wenn ich auflege, der denk ich ganz gut ist, aber vergleichen möchte ich mich in keinster Weise mit diesen Jungs.
Wie oft gehst Du Platten diggen?
Wann immer ich die Chance dazu bekomme. Ich habe eine ziemlich große Sammlung, also grabe ich in meinem Plattenschrank nach Sachen zum samplen. Oft vergesse ich dann, dass ich diese oder jene Platte besitze und nach ein paar Jahren hört man gewisse Sounds oft auch mit anderen Ohren. Es ist nicht die Platte die heiß ist, sondern dein Gemütszustand wenn Du diese Platte hörst. Du musst einfach open minded sein und eine Vorstellung davon haben, wohin du mit einem Beat willst. Es gibt Passagen einer Platte, die fallen einem nicht sofort auf, oder man überhört sie einfach. Wenn mir langweilig ist, gehe ich halt in einen Laden und kaufe mir Platten, aber diese Ära geht langsam dem Ende entgegen. Mehr und mehr Plattenläden machen dicht und im Zuge des Internets, mit seinen Blogs und Tauschbörsen, kann man mittlerweile so ziemlich jede Platte auch in digitaler Form frei erhältlich wiederfinden. Klar ist die Qualität auf Vinyl besser, doch ich habe auch schon von mp3s gesamplet.
Okay, das beantwortet meine nächste Frage.
Klar, am Ende muss der Sound bombastisch sein, ganz egal welche Qualität das Sample hat.
Was würdest Du sagen, wie sich Dein Produktionsstil über die Jahre weiterentwickelt hat?
Wann immer ich mir meine früheren Beats anhöre, fühle ich, dass ich mich schon verbessert habe. Gerade in Bezug auf gewisse Techniken, denke ich heute oft, dass ich dieses und jenes an den Beats hätte besser machen können. Es ist weniger so, dass die Leute sagen „Ja, er hat sich offensichtlich verbessert", sondern ich betrachte das eher aus meiner persönlichen Sicht. Ich versuche immer besser zu werden, denn ich bin nie am Punkt zu sagen: „Ich bin am Ziel angekommen.“ Sicherlich habe ich eine Art Formel für einen Alchemist Beat, aber ich versuche auch neue Wege zu gehen. Die Fans sind dann oft sehr erschrocken und sagen „Hey, er samplet nicht mehr, wir wollen unseren 2000er Alchemist zurück“, das liebe ich! Das ist wie mit Eltern, die Ihre Kinder immer klein und süß halten wollen.
Die Fans kommen also auf Deine Synthie-80er-Beats nicht klar?
Jeder Musiker hat verschiedene kreative Schaffensphasen, die Fans mehr oder weniger schätzen. Musik reflektiert nun mal auch die Welt und es gibt immer verschiedene Moden die angesagt sind. Wenn ich kreativ bin, gehe ich durch verschiedene Zeitspannen. Mein Leben, meine Stimmungen, die Welt um mich herum spiegelt sich immer in meiner Musik wieder. Jeder der mich persönlich kennt, wird dies auch bestätigen, der Schlüssel um komplett verstanden zu werden wäre, dass mich die ganze Welt so kennt, wie die Leute um mich herum. Es ist schwierig es jedem Recht zu machen, alles was ich versuchen kann ist Musik zu veröffentlichen, die die Leute hoffentlich auch für dope halten. Ehrlich gesagt, spornen mich Kritik und negative Reaktionen der Fans kreativ sogar enorm an. Ich mache die beste Musik wenn Du mich disst. Dieser ganze Ego-Blödsinn à la „oh, du bist der großartige Alchemist“ beflügelt mich nicht. Ich mag es eher, der kleine Unbekannte zu sein. So wie damals mit Muggs, als mich keiner auf der Rechnung hatte. Schau Dir Nas an, seine besten Songs machte er, als Leute Ihn vorher abschrieben. Von Andre 3000 habe ich auch gehört, dass er von den Leuten im Studio verlangt, Ihn zu dissen, da er dann erst in der Booth zu Höchstleistung kommt.
Auf dem Song ‘Different Worlds’ hast Du einst gerappt, dass es der Wunsch Deiner Eltern war, die Anwalts- oder Doktorkarriere anzustreben. Wie haben Sie reagiert, als Du plötzlich mit Cypress Hill rum hingst, die bekanntlich auch Verbindungen zu Gangs haben?
Natürlich waren Sie aufgeregt, doch da ich noch sehr jung war, dachten sie wohl, es sei nur ein kurzer Trend oder so. Sie haben ja nie eine Waffe bei mir gefunden, oder andere schreckliche Veränderungen festgestellt. Sie wussten, dass ich Gras rauche und warnten natürlich vor den Gefahren dieser „Einstiegsdroge“, klar, Eltern machen sich sorgen. Als ich 15 Jahre alt war, brachte ich einen Plattenvertrag über 150.000 Dollar nach Hause. Es war nie so, dass Geld in unserer Familie ein Problem darstellte. Mein Vater ist Geschäftsmann und als er den Scheck sah, hat Ihm das schon gefallen. Ich sollte weiter auf die Schule achten und schauen, wie weit ich mit der Musik komme. Darum war ich ja auch auf dem College, doch ich wollte die Musik einfach dauerhaft betreiben. Meine Eltern haben dies nicht geglaubt, doch jetzt verstehen Sie es.
Hast Du Dein Studium in New York letztlich abgeschlossen?
Nein, ich war zwei Jahre im Grundstudium und hätte dann danach die Uni wechseln müssen, doch ich entschied mich für die Musik. Keine Frage, die Uni war super, ich hatte mehr Frauen denn je in meinem Leben. College ist nunmal Spaß, doch ich wurde auch nicht dafür bezahlt. Um mich später irgendwann auf Dinner-Partys mit klugem Geschwätz zu profilieren, wollte ich nicht weiter studieren.
Also bist Du wie Kanye „The College Dropout“?
Ja, ich will meine Credits dafür. Ich bin der „original college dropout“. Holla Kanye, wir sollten als „The Losers“ die „Dropout EP“ veröffentlichen [lacht]. Kanye ist aber kein guter Sprecher für das College. Ich sage da eher, „Kids geht zur Schule, aufs College. Macht was aus eurem Leben, anstatt nur rum zu hängen.“
Als Eminems Tour DJ warst Du auf der vergangenen ‘Anger Management Tour’ vertreten. Dabei gab es einen Unfall mit dem Tourbus, bei dem Du und Dein Bruder verletzt wurden. Inwiefern hat dieser Unfall Dein Leben verändert?
Ich würde nicht unbedingt sagen, dass der Unfall mein Leben grundlegend verändert hat. Ich schätze und bewerte gewisse Aspekte des Lebens einfach anders. Vielleicht wollte der Herrgott auch einfach mal kurz anklopfen und mich dazu animieren, Gutes zu tun. Als kürzlich mein Freund und Kollege DJ AM diesen Flugzeugabsturz überlebte, kamen auch wieder die Erinnerungen an unseren Busunfall hoch. Ich rief Ihn im Krankenhaus an und meinte scherzhaft, „Hey, du bist echt ein schräger Vogel. Ich habe einen Busunfall überlebt und du überlebst einen Flugzeugabsturz“. Was viele Leute vielleicht gar nicht wissen, DJ AM hat mir das Produzieren beigebracht und ich habe ihm erklärt wie man scratcht.
Du warst bereits in mehreren Ländern und hast hier in Europa auch schon auf der Bühne vom splash!-Festival gestanden. Wie fühlt es sich an, fern von zu Hause vor Leuten zu stehen, die zu den eigenen Songs abgehen?
Das ist einfach das Größte. Als Künstler denke ich sogar, dass ich außerhalb der Staaten mehr Anerkennung und Liebe von den Fans erfahre. Hier ist soviel Wettbewerb und Kommerz. Ich merke einfach, dass ich als Künstler unabhängig von den USA existieren kann, meine Musik wird weltweit geliebt. Das krasseste ist, wenn wir in Ländern sind, in denen Englisch nicht die Landessprache ist und die Fans trotzdem alle Lyrics mitrappen können. Das ist absolut umwerfend und mit nichts zu vergleichen. Zudem sind wir dank des Internets nun alle eins. Wann immer ich in New York einen Song ins Netz stelle, freut es mich, dass dieser Song auch gleichzeitig in der Slowakei gehört werden kann und jemand aus Helsinki diesen Song ebenso downloaden kann.
Auf Deinem Blog berichtetest Du kürzlich über einen Gefängnisbesuch bei Prodigy. Wie geht es Ihm?
Es geht Ihm erstaunlich gut. Er liest und schreibt sehr viel, macht Work-out. Er macht das Beste aus der Situation. Er wird bald wieder zu Hause sein und fragt auch schon, wann wir wieder auf Tour gehen.
Alchemist besucht Prodigy in der Midstate Correctional Facility in upstate New York
Ist es nicht irgendwie kurios, dass Du Ihn nun im Gefängnis besuchst und er damals immer dachte, Du seist ein FBI-Undercover-Agent?
Ja, das ist echt lustig. Ehrlich gesagt habe ich das damals scherzhaft in einem Interview gesagt, als wir über Prodigys Paranoia sprachen. Das war einfach ein Joke den wir damals hatten, doch der Typ der das Interview führte, hat das nicht gecheckt und tatsächlich geschrieben. Es ist abgefahren, dass Leute das wirklich ernst nahmen.
Kannst Du als Eminems offizieller Tour DJ etwas zu seiner neuen Platte sagen, da er wohl zur Zeit eifrig daran arbeitet?
Ich wünschte ich könnte, doch ich weiß wahrscheinlich nicht mehr als Du. Wenn die Zeit reif ist, werden wir auch wieder ein paar Shows zusammen machen. Nächste Woche ist er wohl in New York um sein neues Buch vorzustellen. Ich kann es kaum erwarten, erste Songs zu hören. Nachdem was ich im Vorfeld über das Album hörte, scheint großartig zu werden. Er wird zurück kommen und die Dinge werden gut werden.
Was ist mit dem Projekt von Dir und Evidence?
Wir wollten es erst ‘E and A’ nennen, haben uns aber nun für den Namen ‘The Step Bros.’ entschieden. Es ist ein klassisches Kollaboprojekt. Wir kennen uns nun schon so lang, die Chemie stimmt und es macht immer Spaß gemeinsam Songs aufzunehmen. Wir haben im Laufe der Jahre schon so viel zusammen gearbeitet, dass es logisch ist nun auch ein gemeinsames Album zu veröffentlichen. Evidence arbeitet derweil an ‘The Layover’, einer EP die wohl im November erscheinen wird und bei der wir auch auf zwei Songs zusammen rappen. Einfach um den Hype für sein zweites Soloalbum ‘CATS & DOGS’ zu schüren.
Evidence und ALC a.k.a. The Step Bros.
Du hast am Anfang bereits über ein Projekt von Dir und Oh No gesprochen. Was ist genau das Konzept hinter ‘Gangrene’?
Ich kenne Oh No noch nicht allzu lang. Wir haben uns bei einem gemeinsamen Gig kennen gelernt, Backstage enorm viel Gras geraucht und aus einer Laune heraus beschlossen etwas zusammen zu veröffentlichen. Er hat mir dann im Anschluss sofort einen Beat geschickt, den ich enorm gut fand. Dann hat er mir einen Song mit einem Rap-Part auf dem er mich zum reimen auffordert geschickt. Ich dachte „wow“ und habe auch gleich einen Part darauf gekickt. Das hat mich enorm motiviert und noch in der selben Nacht habe ich einen Beat gebaut und Oh No rüber geschickt. Auf diesem Projekt werdet Ihr Songs hören, von denen Ihr nicht erwarten würdet, dass sie von mir seien. Wir haben uns einfach in der Mitte unserer Styles getroffen. Ein Song handelt beispielsweise über zwei durchgeknallte Ärzte mit recht unorthodoxen Behandlungsmethoden. Es wird ein verrücktes Album, ich liebe es und hatte enorm viel Spaß bei der Arbeit mit Oh No. Ich kannte Ihn ja noch nicht so gut. Als ich Ihm einen Beat sendete, hat er ihn bereits nach 20 Minuten mit einem 16er darauf zurück geschickt. Es ist krass wie rasch er arbeitet. Wenn ich manchmal mit Evidence im Studio hänge, kann es sehr lange dauern, da er meiner Meinung nach beim Beat picken zu viel nachdenkt. Bei Oh No war es so, dass er auf jeden Song den ich Ihm schickte meinte: „Yo, da will ich drauf sein.“ Und anders herum war es genau so, alles was er mir schickte hat mich sofort zum rappen animiert. Das Projekt möchte ich gerne noch vor ‘Chemical Warfare’ veröffentlichen. ‘Gangrene’ ist ein richtig dopes und frisches HipHop-Album geworden. Es wird voraussichtlich im Dezember über Decon Records erscheinen. Ich mag die Philosophie des Labels, sie sind immer offen und kreativ und erinnern mich ein wenig an Rawkus. Wir klären gerade letzte Details und hoffen auch gemeinsam auf Tour gehen zu können.
Im Internet kursiert ein Video, indem Du eine Laudatio für DJ Premier hältst und Ihm anschließend einen Preis verleihst. In der Laudatio erwähnst Du, wie sehr Premier Dich geprägt hat und wie ehrfürchtig Du warst, als Du Ihn das erste mal im Studio getroffen hast. Welchen heutigen jungen Produzenten kannst Du Dir später einmal als Laudator und Preisverleiher für The Alchemist vorstellen?
Hmm…[überlegt]…Jake One finde ich richtig klasse, aber der ist ja auch schon recht lange am Start und sehr bekannt. Ein junger Produzent, lass mich überlegen…Ich mag diesen Typen namens Baby Grand, er hat ein paar der neuen Jadakiss Sachen produziert. Sid Roams sind ill. Ein sehr unterschätzter Produzent ist Mr. Porter, er ist definitiv einer der Besten, man merkt hier auch J Dillas Einfluß. Black Milks Sachen mag ich auch sehr. Wem kann ich noch Props geben? Lass mich nachdenken…dieser Typ aus Kanada, der jetzt nach New York gezogen ist…
Marco Polo.
Ja, genau, der macht richtig heiße Beats. Saigons DJ Scram Jones ist auch großartig. Sean C. & LV, die bereits eine ganze Weile unterwegs sind und Jay-Zs ‘American Gangster’ produzierten. Banglades, der für Lil’ Waynes ‘A Milli’ verantwortlich war, hat einen bombastischen Sound. Nicht zu vergessen 9th Wonder, der zwar auch nicht mehr ganz unbekannt ist. Ohja, nicht zu vergessen Khrysis! Der hat Wahnsinns-Banger. Ich könnte jetzt noch beliebig weiter aufzählen und mir würden immer mehr Produzenten einfallen, es gibt da draußen einfach eine Menge guter Producer.
Alchemist mit seinem Producer-Kollegen Khrysis
Wir werden sehen, wer Dir dann einen Preis verleihen wird.
Ich wäre auch gespannt. Selbst wenn ich niemals einen Award bekommen sollte, bin ich glücklich.
Okay, vielen Dank für das Gespräch!
Danke Mann. Ich hoffe ich kann bald zurück in Deutschland sein und auch wieder auf dem splash!-Festival auftreten, das war damals wirklich eine große Sache!